Fundulopanchax gardneri nigerianus (CLAUSEN), 1963

Weibchen

Vorkommen und Geschichte

Fp. g. nigerianus ist in weiten Teilen Nigerias verbreitet. Dort bewohnt diese
Unterart die trockenen Savannengebiete im nördlichen Nigeria ebenso wie den
Regenwald im Süd-Westen des Landes sowie auch die Strauchsavannen in Südost-
Nigeria und im nördlich West-Kamerun. Als nördlichste Fundstelle wird Kano, im
Norden der Jos Hochebene, angegeben. Die Terra typica ist ein Sumpf an den
südlichen Abhängen der Jos-Hochebene in Nord Nigeria.
Alle Stämme aus dem nördlichen Verbreitungsgebiet zeigen einen deutlich annuellen
Charakter und sind vom gelben Typ. Sie erreichen bei robustem Körperbau eine
größere Länge als Fische aus den südlichen Gegenden. Für die Formen aus Südwest-
Nigeria stellte Scheel 1975 den Namen Fp. g. clauseni vor, veröffentlichte aber keine
Beschreibung. Bei den südlichen Populationen werden oft gelbe und blaue Formen
gemeinsam gefunden, wobei die gelbe Form dominant zu sein scheint. Bei den
blauen Formen sind die Flossensäume weißblau gefärbt. Ein rotes Band in Anale
und Dorsale muss nicht vorhanden sein.

Fp. g. nigerianus “Akure” - gelb

Fp. g. nigerianus “Akure” - blau

Diese Unterart wurde 1955 entdeckt und in den folgenden Jahren immer wieder
gefangen. Durch die leichte Zucht dieser Killis wurde sie rasch in Europa unter den
Namen Aphyosemion calliurum und Aphyosemion ahli verbreitet.
Der Däne Dr. H. S. Clausen, zur damaligen Zeit an der Universität Ibadan/Nigeria
tätig, leistete lange Jahre Feldarbeit, wobei er eine Anzahl Prachtkärpflinge von
verschiedenen Fundorten in konserviertem und lebendem Zustand an Dr. J.J. Scheel
zur Untersuchung und Kreuzungsexperimenten übersandte.
1963 beschrieb Clausen drei neue Arten aus Nigeria und West-Kamerun. In dieser
Arbeit wurde der als Aphyosemion calliurum bekannt gewordene Killi als
Aphyosemion nigerianum beschrieben. Die blaue Farbform von Akure wurde als
A. calliurum ahli bezeichnet. Spätere Erkenntnisse ergaben, dass es sich bei
A. calliurum und A. ahli um weitere gut unterscheidbare Arten handelte.
A. calliurum BOULENGER, 1911 ist vom südlichen Nigeria bis nach Kamerun
verbreitet. A. ahli MYERS, 1933 stammt aus dem Küstentiefland von Kamerun.
Durch weitere Forschungen von Clausen und Scheel stellte sich bald heraus, dass
Fp. nigerianus eine zu Fp. gardneri nahe verwandte Form ist. Dr. Radda stellte
1973 fest, dass diese Form als Unterart  Fp. gardneri nigerianus zu führen ist
und dass das Verbreitungsgebiet von Südwest-Nigeria bis West-Kamerun reicht.
Zahlreiche Fundorte wurden in den vergangenen Jahren bekannt. Der Stamm „Port
Harcourt“ scheint isoliert zu sein. Scheel stellte fest, dass dieser Stamm nur 18
Chromosomen aufweist. Im Gegensatz dazu haben die anderen Stämme 20 Chromo-
somen. Durch Kreuzungen wurde die Isolation nachgewiesen. Hybriden der Stämme
„Akure“ und „Port Harcourt“ waren schwächlich und schwierig aufzuziehen. Bei
der zweiten Generation starben alle Embryonen schon in der Eihülle. Nach Radda
zeigt der Stamm „Port Harcourt“ alle Merkmale der Populationen der Jos Hochebene.
Er ist der Meinung, dass ein Übertragungsfehler zu der Bezeichnung „Port Harcourt“
führte. Radda konnte bei seinen Felduntersuchungen in der Umgebung von Port
Harcourt keine Fp. g. nigerianus nachweisen.
Hughes sammelte 1972 in der Umgebung von Kano zwei Stämme, die das Verhalten
von Saisonfischen zeigten. Ihr schnelles Wachstum und die Größe sprachen eben-
falls für Saisonfische. Das Gelb in der Caudale ist halbkreisförmig ausgebildet, aber
nie wie bei Fp. cinnamomeum und A. celiae geschlossen.
Formen, die unter den Namen A. g. obuduense, meridionale und biafranum
beschrieben wurden fallen unter die Variabilität von Fp. g. nigerianus.

Aus dem nördlichen Westkamerun kommt: Fp. g. nigerianus “Misaje”

Beschreibung

Männchen:  Bei blauer bis blaugrüner Grundfarbe sind die Flanken mit unregelmäßig
angeordneten roten Flecken gezeichnet. Verschiedene Stämme („Makurdi“, „Jos
Plateau“) zeigen als Narbe eine Anhäufung dieser Pigmentflecken im Schulterbereich.
Bei den nördlichen Varianten ist die Anzahl meist größer als bei Fischen aus dem
südlichen Verbreitungsgebiet. Anale, Dorsale und Caudale sind bei blauer Grundfarbe
submarginal rot und marginal gelb gesäumt.
Weibchen: Schlicht graubraun mit wenigen roten Punktreihen auf Körper und Flossen.
 

Haltung und Zucht

Im Prinzip wie Fp. g. gardneri. In der Folge von Norden nach Süden nimmt die
Annualität dieser Prachtkärpflinge ab.
Alle Stämme aus dem nördlichen Verbreitungsgebiet sind vorzugsweise als Boden-
laicher über Torfmull zu züchten. Die Laichkörner dieser Populationen benötigen zur
Entwicklung eine Trockenperiode. Werden Zuchtansätze dieser Populationen in
Wasser gelagert schlüpfen keine oder nur sehr wenige Jungfische in oft zeitlich
großen Abständen.
Auf diese Weise geschlüpfte Jungfische sind meist nicht so vital wie Junge aus
trockengelegten Ansätzen. Die Lagerzeit der Torfansätze liegt im Normalfall zwischen
vier und sechs Wochen. Werden Ansätze zu stark angetrocknet kann sich die
Lagerzeit auf bis zu sechs Monaten verlängern.
Bei der Zucht der südlichen Varianten kann vermehrt der Wollmop zum Einsatz
kommen. Aus praktikablen Gründen sollte aber hierauf verzichtet werden. Auch
diese Populationen sind über Torf gut zu züchten.
Die Zucht mit dem Wollmop bietet den Vorteil, dass die Eier gezählt werden können
und bei genügender Stückzahl der Zuchtansatz abgebrochen werden kann. Bei Wasser-
lagerung der Eier schlüpfen die Jungen nach rund zwanzig Tagen.
Trockengelegte Ansätze können nach drei bis vier Wochen aufgegossen werden.
 

Besonderheiten

Oft rabiate Art, einmal einzeln gehaltene Männchen lassen sich meist nicht mehr mit
Männchen der gleichen Art vergesellschaften.

Fp. g. nigerianus “Akamkpa”

Fp. g. nigerianus “Gercala”

Fp. g. nigerianus “Baissa” - Männchen  -

Weibchen

Verbreitungsgebiet von Fp. g. nigerianus in Südwest-Nigeria

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